Fortsetzung (Seite 3):
Meiner Familie gefiel es in Berlin leider nicht so gut und so zog meine
Frau mit unseren drei Kindern schon bald wieder nach Zürich.
Überhaupt verstand ich mich mit meiner Frau nicht mehr so gut und
so ließen wir uns 1919 scheiden. Kurz darauf heiratete ich meine
Cousine Elsa Löwenthal.
Nachdem ich 1905 ja meine Spezielle Relativitätstheorie
veröffentlicht hatte, erschien 1915 meine Allgemeine
Relativitätstheorie. 1921 wurde ich mit der höchsten
wissenschaftlichen Auszeichnung geehrt: Ich bekam den Nobelpreis
für Physik. Viele Menschen meinen heute noch, ich hätte
damals den Nobelpreis für die Arbeiten über die
Relativitätstheorie bekommen. Wahrscheinlich, weil diese Arbeiten
die bekanntesten sind. Tatsächlich wurde mir aber der Nobelpreis
für meine Forschungen über den Photoelektrischen Effekt
verliehen, also für eine Arbeit aus dem wunderbaren Jahr 1905. Das
Preisgeld schickte ich übrigens meiner geschiedenen Frau und
unseren Kindern.
Spätestens mit diesem Preis war ich überall bekannt geworden
und alle Welt wollte Vorträge von mir hören. So reiste ich in
den folgenden Jahren viel und wurde mit verschiedensten Ehrungen nur so
überhäuft.
Während mir also die ganze Welt zujubelte, wurde meine Lage
zuhause in Berlin immer schwieriger. Ich war Jude und hatte auch
früher immer wieder mit Vorurteilen gegenüber Juden zu
kämpfen. Aber die Situation spitze sich Berlin der zwanziger Jahre
immer weiter zu. Immer häufiger sah man auf den Straßen
Berlins Nazis, die besonders judenfeindlich waren. Aber auch in der
übrigen Bevölkerung begann man immer mehr auf Juden zu
schimpfen.
Im Jahr 1932 reiste ich, wie schon so oft, von Berlin in die USA, um
dort Vorträge zu halten. Ich wusste damals nicht, dass ich mein
Heimatland nie wieder sehen sollte. Während ich nämlich in
den USA war, kam in Deutschland Hitler an die Macht. Ich entschloss
mich, hier zu bleiben und zog 1933 nach Princeton, einer Stadt in New
Jersey, die für ihre Universität weltberühmt ist. Dabei
spiele es natürlich auch eine Rolle, dass ich als Jude in
Deutschland jetzt mit noch mehr Schwierigkeiten rechnen musste. Wie
schlimm es aber wirklich für die Juden werden würde,
hätte ich mir damals allerdings nie vorstellen können.
Für mich war es aber auch wichtig, dass ich in einem freien Land
lebte, in der alle gleich behandelt wurden und man sagen konnte, was
man wollte. Von meinem neuen Zuhause aus protestierte ich, oft
gemeinsam mit anderen geflohenen Deutschen, gegen die Verbrechen der
Nazis und beobachtete mit großer Sorge, was in Deutschland vor
sich ging. Im nationalsozialistischen Deutschland wurde meine Arbeit
nun schlecht geredet.